Jeden Tag höre ich, dass in der Pflege jede Hilfe erwünscht sei und sogar Rentner wieder in den Dienst gerufen werden. Und da kommt in mir das Gefühl von Nutzlosigkeit auf. So gern würde ich helfen, mich irgendwie nützlich machen. Vor allem, weil mein Traumberuf in der Pflege liegt. Aber leider kann ich nicht. In einem Krankenhaus würde ich nur jedem im Weg stehen und das wäre dann wiederum kontraproduktiv.

Betrachtet man es objektiv, trage ich schon meinen Teil hinzu, ich bleibe daheim, vermeide den Kontakt zu fast allen Menschen (außer meiner Familie) und übe mich darin, die Decke schön oben zu halten, damit sie mir womöglich nicht auf den Kopf fällt. Aber das fühlt sich doch irgendwie zu wenig an? Es ist nun mal nicht meine Art, still zu sitzen.

Kann ich denn irgendwie helfen?

Wenn man sich mit der Technik geschickt anstellt, schafft man es, mit seiner Klasse eine Videokonferenz zu starten.  Es hilft mir, nicht nur nicht in meiner Einsamkeit zu ertrinken, sondern auch den Stoff besser zu verstehen. Dafür muss aber leider das Internet funktionieren, sonst stürzt dann doch das ganze System ab. Natürlich sollte nicht jedes Unterrichtsfach per Videokonferenz gehalten werden. Manche Lehrer*innen würden wir doch dann lieber nicht sehen ;)

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Link zu unserer Schulplattform: http://wwschool.de

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Zum Hintergrund des Corona - Tagebuch

Tag 10 - 25.03.2020 – Nutzlosigkeit?

Tag 9 - 24.03.2020 - Videokonferenzen

Gedanken einer Abiturientin - Teil 2

Tag 7 - 22.03.2020 - Wochenresümee

Tag 6 - 21.03.2020 - Respekt

Tag 5 - 20.03.2020 - Privileg

  • Herti_Youtube
In Zeiten des Online-Unterrichts aufgrund der Corona-Krise floriert der Datenaustausch via Online-Plattformen, der  Drucker kommt an seine Farb- und Papiergrenzen und ganze Baum-Familien bangen vermutlich gerade um ihr Leben. An unserer Schule etablieren sich nun überraschende Alternativen:

Physiklehrer Achim Hertfelder nutzt die neu gewonnene Zeit, um seine Schülerinnen und Schüler weiterhin bestmöglich mit Unterrichtsinhalten zu versorgen und dabei seiner Kreativität Ausdruck zu verleihen:

Die erste Woche ist vorbei – größtenteils abgeschottet von der Außenwelt. Aber wie haben sich meine Ängste bis jetzt verwirklicht? Was hat sich bis jetzt getan?

Naja, es gibt Vieles über das man jetzt reden könnte, über das Alleinsein an sich, über die sich immer weiter verschärfende Situation, mit der ich vor zwei Wochen, nichtsahnend von den Ausmaßen des Virus, niemals gerechnet hätte. Wenn ich zurück denke an die zwei vergangenen Wochen, könnte ich mir aber keinen größeren Unterschied vorstellen.

Zum Teil haben sich meine Ängste gelegt, zum Teil sind sie aber immer noch da. Es gibt Klarheit, inwiefern ich meinen Lernplan umsetzen kann, trotzdem besteht aber immer noch Unsicherheit. Wie geht es in den nächsten Wochen weiter? Bleibe ich auch noch genau so gelassen, wie ich es jetzt bin?

Ich muss zugeben, die ersten Tage habe ich mir viele Freiräume genommen, um mich am besten auf die kommenden Wochen vorzubereiten, zu versuchen, möglichst viele Dinge zu finden, die mir einen gewissen Ausgleich zu dem ganzen „Schulzeug“ verschaffen. Bis jetzt hatte ich das ja immer in einer Form von zum Beispiel Sport oder Musik. Mir ist aufgefallen, es ist relativ gut umsetzbar, wenn man sich die nötige Zeit wirklich nimmt. Immerhin ist ein Ausgleich und das Abschalten mindestens so wichtig, wie das konzentrierte Arbeiten für die Schule.

Die Verschiebung der Abi-Prüfungen, die am Freitag bekannt gegeben wurde, war für mich selbst tatsächlich kein wirklich großer Rückschlag, wie sie es vielleicht noch vor einer Woche gewesen wäre -  Vielleicht einfach aus dem Grund, weil es mittlerweile vorhersehbar war und ich mir eine Woche, in der sich noch mehr ändern könnte, als die vorige, nicht mehr hätte vorstellen können.

Natürlich hätte ich mir gewünscht, die Prüfungen so schnell wie möglich hinter mich zu bringen, allein wegen des Lernaufwands. Trotzdem bin ich froh darüber, dass es jetzt schon feststeht – zumindest bis jetzt. Sicher kann man sich ja gerade bei nichts sein.

Gegen das Alleinsein kann man in der Tat nicht viel machen, das muss man wohl oder übel einfach so hinnehmen. Bis jetzt muss ich sagen, klappt auch das erstaunlich gut. Natürlich wäre es viel schöner, zusammen mit Freunden in der Schule zu sitzen. Über Videoanrufe aber kann man doch auch ganz gut seine Kontakte aufrechterhalten, wenn auch nicht so intensiv, wie wenn man sich trifft.

Im Gegensatz zu meinen Gedanken vor einer Woche habe ich das Gefühl, es klingt jetzt alles so positiv. Natürlich ist die Situation alles andere als schön, allein aus dem Grund, dass die Zahl der Corona-Toten immer weiter steigt. Aber ich versuche für mich selbst das Beste draus zu machen. Es gibt Menschen, die gerade aufgrund des Virus in einer weitaus schlechteren Situation sind, bei denen es um ihre Existenz geht. Da haben wir mit der Überlegung, ob uns die Decke auf den Kopf fällt, wohl noch ein relativ kleines Problem.

Ich werde selbst in den nächsten Wochen sicher noch das Gefühl haben, dass mir alles zu langweilig und zu eintönig oder auch zu eng wird und das ist bestimmt auch nachvollziehbar. Trotzdem sollten wir alle überlegen, für was wir das alles durchstehen. Ob wir uns in diesem Moment wirklich mit Freunden treffen müssen (abgesehen davon, dass es sowieso verboten ist), ob wir wirklich einkaufen gehen müssen oder ob wir einfach den Egoismus an uns vorbei ziehen lassen und aus jedem Tag das bestmögliche rausholen...