Morgenluft spaziert zögerlich durch die geöffnete Balkontüre. Spielt verlegen mit den Gardinen, sieht sich um. Entscheidet sich schließlich zu bleiben, denn mittlerweile ist hier aufgeräumt. Der letzte Rest des intellektuellen Flairs – falls er hier überhaupt jemals beherbergt wurde – rauscht währenddessen ins Freie, begleitet von den Hartnäckigsten der Kaffeedunst-Moleküle, die während den letzten Wochen als wolkenartige, warmfeuchte Gebilde in der Luft hingen. Zwischenzeitlich hatte sich die Befürchtung aufgedrängt, sie könnten sich über dem Schreibtisch abregnen. Nochmal Glück gehabt.

Einatmen, Ausatmen. Hups. Beinahe vergessen wie Frischluft riecht. Oder wie Parkettboden aussieht, wenn er nicht von buntem Blätterbelag versteckt wird.

Der aufkeimende Drang, alle Spuren der Abiturvorbereitungszeit zu eliminieren geht einher mit anderen positiv zu bewertenden Entwicklungen:

Die Freizeitaktivitäten fehlen in aller Leben. Dazu gehören auch die Fußballspiele der Bundesliga, die zurzeit das Streitthema schlecht hin sind. Sollten sie denn jetzt stattfinden oder nicht? Betrachtet man die Situation, könnte man natürlich sagen, eine Abwechslung in unser aller Leben würde keinem schaden. Plus, der Profifußball ist nun mal ein fester Bestandteil des sozialen Lebens und man sollte doch meinen, dass wir irgendwann mit unserem Leben ganz normal weiter machen müssen, oder etwa nicht? Die Frage ist, sind wir in unserer derzeitigen Situation schon so weit, trotz Pandemie, wieder ein Stück zu dem Normal-Modus zurückzugehen?

Die Corona-Pandemie ist in keinem Fall schon besiegt und man muss auch nach 50 Tagen noch sehr viel Vorsicht walten lassen und selbst einfach ein bisschen zurückstecken. Es gibt ja in jeglicher Hinsicht die ein oder andere Lockerung für unser Leben. Und trotzdem gilt noch immer die 1,5-Meter-Abstand-Regel. Warum sollte diese für jeden “normalen” Menschen gelten und sogar sanktioniert werden, wenn sie nicht eingehalten werden, nicht aber für die Profifußballspieler, welche den Mindestabstand beim Fußballspielen auf jeden Fall nicht einhalten können.

Des Weiteren bringen die Spieler sich doch unnötigerweise selbst in Gefahr, sich mit dem Virus zu infizieren. Um dem vorzubeugen und auch die Sicherheit zu gewähren, sollten ja, nach dem Plan für die Geisterspiele, in sehr kurzen regelmäßigen Abständen Tests gemacht werden. Aber ist das nicht eine unnötige Verschwendung dieser Tests? Seit Wochen wird in den Nachrichten von der Rarheit der Corona-Test gesprochen. Ist das Testen der Fußballspieler also nicht eigentlich ein unnötiger Verbrauch von den eh schon mangelnden Tests.

Und ist es nicht eigentlich unfair den Leuten gegenüber, die sich tatsächlich gesellschaftlich engagieren, sich Tag für Tag für die Gesellschaft in die Gefahr einer Infektion bringen, während auf der anderen Seite 22 Männer ohne den Mindestabstand auf einem Feld stehen und sich ohne erfindlichen Grund in Gefahr begeben. Außerdem ist es doch auch unfair gegenüber jedem anderen Profisport, der zurzeit pausieren muss. Oder den Olympischen Spielen, die für dieses Jahr abgesagt werden mussten. Also warum darf sich der Profifußball hier heraus nehmen, ihren Sport trotzdem weiter auszuüben? Nicht zu vergessen was wohl alle Kinder, die zu gerne mal wieder auf dem Platz spielen wollen würden, davon halten sollten. Beziehungsweise wie unfair das Ganze für sie wohl wirken wird.

Aber warum muss es denn mit der Bundesliga genau jetzt weiter gehen? Kann es sein, dass es auch hier, wie so oft im Leben, nur um eins geht - um das Geld. Die Bundesliga verdient durch die Übertragungen ins Fernsehen und die Werbung wahrscheinlich eine große Menge Geld. Und diese Quelle würde dann ja rein theoretisch in großen Teilen wegfallen. Wenn das wirklich der Fall sein sollte, ist es das wirklich wert? Die Gesundheit von mehr als 50 Personen in Gefahr zu bringen, nur des Geldes wegen. Könnte man das nicht eigentlich sogar schon als fahrlässiges Verhalten zählen.

Man könne jetzt doch denken, dass jeder Fan Feuer und Flamme ist, aber ob das wirklich der Fall ist? Ich für meinen Teil bin auf jeden Fall kein Fan der Geisterspiele und werde sie auch nicht unterstützen, weil sie für mich nicht in eine Pandemie-Zeit gehören.

  • Redaktionsempfehlung
zu den Redaktionsempfehlungen. 

Was vermisse ich eigentlich wirklich, in Zeiten von „social distancing“?

Ich vermisse es, dass, wenn ich beim Einkaufen ein bekanntes Gesicht sehe, ich nicht einfach so kurz mal Smalltalk führen kann.

Ich vermisse es, wenn ich auf der Straße jemandem begegne, ein Lächeln zu bekommen. Im Moment ist es mehr ein, „Oh sind das auch wirklich 1,5 Meter?“

Ich vermisse es, nach einem langen Tag einfach müde ins Bett zu fallen und mir zu denken: „Okay, heute war ich wirklich fleißig!“

Ich vermisse es, an eine Freundin gelehnt im Gras zu sitzen und über Gott und die Welt zu philosophieren.

Ich vermisse es, im Unterricht zu flüstern und mir mein Lachen unterdrücken zu müssen.

Ich vermisse es, mit einem kühlen Getränk in der einen Hand und meinen Freunden an meiner Seite, ausgelassen zu tanzen.

Ich vermisse es, mit meiner Familie in einer Pizzeria zu sitzen und die Pizza zu genießen.

Ich vermisse die kleinen Dinge. Erst jetzt fällt mir auf, diese Dinge habe ich zu wenig geschätzt.

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