„…Seine erste Aufgabe wird es sein, zu begreifen, was Amra nicht geschafft hatte: dass er nicht nur vorrübergehend hier war, dass er kein Zuhause mehr hatte, dass nichts mehr geregelt war und dass er für alles selbst sorgen musste…“ -„Amra und Amir – Abschiebung in eine unbekannte Heimat“, Seite 73

Der Roman „Amra und Amir – Abschiebung in eine unbekannte Heimat“ handelt von einem Thema, das in den letzten Jahren auf traurige Art populärer und dadurch auch bedeutender in unser aller Leben geworden ist: Flüchtlinge und Abschiebung. Die 18-jährige Amra, um die es im Roman geht, ist selbst kein Flüchtling. Sie ist in Deutschland auf die Welt gekommen und wurde dort groß. Aber ihre Eltern kamen aus Albanien, wohin auch sie abgeschoben wird. Sie kann weder die Sprache, noch kennt sie Verwandte oder Bekannte dort. In Albanien angekommen, bemerkt sie schnell, dass sie als Mädchen nicht viel zu sagen hat und keinen Job finden wird. So entscheidet sie, sich von Amra in den männlichen Amir zu verwandeln. Als findet sie öfter kleine Jobs und das, was sie zum Leben braucht, sucht sie auf Müllhalden. Die Versuche ihrer Freunde, sie wieder zurück nach Deutschland zuholen, bleiben erfolglos. Am Ende wird sie wieder nach Albanien abgeschoben!

Das Buch regt sehr zum Nachdenken an und greift zwei Schwerpunkte auf, die in unser aller Leben wichtig geworden sind. Zum einen die Abschiebung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in Deutschland groß wurden, zum anderen die Geschlechterfrage und Gleichberechtigung, die in diesem Buch infrage gestellt wird.

Während ich das Buch gelesen habe, kamen mir immer wieder neue Ansichten und Erkenntnisse, die ich, und wahrscheinlich auch viele andere Jugendliche gar nicht wissen, aber im Grunde wichtig zu wissen wären. „Amra und Amir“ hat mir aber teils keinen Spaß beim Lesen gemacht; mir persönlich fehlte im Roman die Spannung. Das habe ich während des Lesens aber immer darauf zurückgeführt, dass die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht. Am Ende musste ich aber feststellen, dass sie „nur“ aus einzelnen wahren Bausteinen besteht. Das fand ich etwas schade. Mein Fazit zu „Amra und Amir – Abschiebung in eine unbekannte Heimat“ ist daher zwiegespalten. Aber aufgrund der Botschaft dieses Buches würde ich es dennoch weiterempfehlen.

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Das Buch „Nennen wir sie Eugenie“ (gesprochen „Öschenie“) veröffentlicht im Main Verlag ist der erste Roman von Maria Braig. Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit.

Schon das Cover deutet an, von was dieses Buch handeln könnte, da Schlagwörter wie „Zwang“, „Asyl“ und „Hass“ aufgelistet werden.

Die junge Frau Eugenie muss aus ihrem Heimatland, dem Senegal, fliehen, da dort ihre Liebe zu einer anderen Frau nicht geduldet wird und sie mit einem ihr unbekannten Mann zwangsverheiratet werden soll. Mit dem Flugzeug flieht Eugenie nach Europa. Nach Deutschland. Dort erhofft sie sich Schutz und bittet um Asyl. In Deutschland angekommen gerät Eugenie in die Mühle des Asylverfahrens: Anhörung, Unterbringung in einer heruntergekommenen Sammelunterkunft, Residenzpflicht und schlechte Lebensbedingungen aufgrund des Asylbewerberleistungsgesetzes. Sie lernt andere Flüchtlinge und deren Schicksalsschläge kennen, durchlebt alle möglichen Gefühle und entdeckt eine Welt, die ihr zugleich Freiheit verspricht und Ausgrenzung vorlebt.

Am Anfang des Buches wird beschrieben, woher Maria Braig die Informationen zu ihrer Geschichte hat, und wie sie überhaupt auf das Thema gestoßen ist.

Ab Seite 15 beginnt die eigentliche Geschichte Eugenies. Dieser Abschnitt beinhaltet den Großteil des Buchs. Er ist verständlich und flüssig geschrieben, wodurch der Text leicht lesbar ist. Auch werden die Gefühle der Protagonistin und ihren Bekanntschaften auf dem Weg nach Deutschland und in Deutschland selbst deutlich hervorgehoben, weshalb man sich gut mit ihnen Identifizieren kann. Auch wird verstärk der Unterschied der Kulturen in verschieden Ländern und die Rechte und Pflichten deren Bewohner betont. Die zum Teil miserablen Lebensumstände in den Sammelunterkünften für die Asylsuchenden werden verdeutlicht und bildlich dargestellt. Es wird einem bewusst vor Augen geführt, wie gut wir es haben und wie glücklich wir uns schätzen können, in einem Land mit so großer Freiheit aufwachsen zu dürfen.

Gestört hat mich allerdings die Tatsache, dass das Asylverfahren ausschließlich von seiner schlechten Seite beschrieben wurde. Das komplette System wurde als ungerecht und menschenunfreundlich angesehen, wodurch sich mir die Frage stellt, welche Alternativen es geben könnte. Etwas Verständnis von Seiten der Protagonistin für die begrenzten Ressourcen auch in Deutschland hat mir gefehlt, so wie die Akzeptanz, dass nun mal nicht alle Flüchtlinge aus jedem Grund aufgenommen werden können. Verständlich ist schon, dass es in dieser Situation als unfair gesehen wird, aber es gibt unzählige Fluchtursachen. Manche sind einfach bedrohlicher als andere und stehen deshalb an höherer Stelle im Asylverfahren.

Ab Seite 185 von insgesamt 226 folgt der Anhang. Hier wird beispielsweise der Senegal und die rechtliche Situation dort beschrieben. Auch werden Fachbegriffe wie Dublinverfahren oder Besonderheiten für „LSBT*I*“-Geflüchtete (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle) erklärt. Dieser Abschnitt des Buches lässt sich nicht als Fließtext lesen, sondern ist eher als Nachschlagewerk zu verwenden. (Der ein oder andere Fachbegriff, der sich dort finden lässt, kann auch in einer Gemeinschaftskundeklassenarbeit abgefragt werden 😉)

Abschließend kann man sagen, dass das Buch „Nennen wir sie Eugenie“ einem eine komplett andere Sicht rund um das Asylverfahren ermöglicht. Gleichzeitig lernt man dieses komplizierte und zum Teil verwirrende System der Flüchtlingsaufnahme in einer verständlichen Form kennen. Die Geschichte ist realistisch geschrieben und verschafft dadurch einen Einblick in die Fluchtversuche von Flüchtlingen aus ihrer Heimat. Ich finde es wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, wie gut wir es haben und sich zu informieren, was in der Welt momentan passiert.

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„Frauen sind zum Kinderkriegen da, Jungen für den Spaß“ – Dieser Satz spielt eine große Rolle in dem Roman „Das heimliche Mädchen und der Dancing Boy“. Es geht hier  um ein afghanisches Mädchen, das mit Problemen zu kämpfen hat, die wir uns nie vorstellen könnten.

Das dreizehnjährige Mädchen Shirin lebt in Afghanisten mit ihrer Mutter Ayla und ihren zwei Schwestern, als ihr Vater tödlich verunglückt. Plötzlich muss Shirin für ihren Vater einspringen und für Unterhalt sorgen, indem sie sich in den Jungen Shahin verwandelt, also zur sogenannnten Bacha Posh wird. Sie muss auf dem Bazar als „Teejunge“ arbeiten, denn für Frauen ist es fast unmöglich zu arbeiten und alleine ohne männliche Begleitung aus dem Haus zu gehen. So lernt Shirin, die als Shahin unterwegs ist, neue Leute, Perspektiven und Ungerechtigkeiten kennen. Als Shirin beziehungsweise Shahin an ihrem ersten Arbeitstag von einen Mann nachhause eingeladen und dort unsittlich angefasst wird, sucht sie nach Antworten bei ihrer Mutter und bekommt daraufhin diesen Satz zu hören: „Frauen sind zum Kinderkriegen da, Jungen für den Spaß“. Shirin bleibt verwirrt zurück. Einige Zeit später lernt sie Faruk kennen. Ein Junge, der, wie sich später herausstellt, ein Bacha Bazi ist. Entführt als kleines Kind, wie ein Sklave weiterverkauft und benutzt zur sexuellen Befriedigung erwachsener Männer. Faruk und Shirin werden Freunde und treffen sich täglich. Als Shirins Mutter einen neuen Ehemann findet, schickt sie Shirin weg in den Iran zu ihrem Onkel, damit sie nach Deutschland auswandern kann. Als Faruk erfährt, dass er weiterverkauft werden soll, berichtet er Shirin davon und sie beschließt, ihn mit in den Iran und anschließend nach Deutschland zu nehmen. Sie fliehen zusammen. Im Iran bei ihrem Onkel angekommen, nimmt Shirins Onkel Faruk auch mit nach Deutschland. In Deutschland dann, soll Shirin auf einmal ihre Freiheit aufgeben, ihren einzigen Freund Faruk verlassen, sich zurück in das Rollenbild einer afghanischen Frau begeben und sich dementsprechend benehmen. Shirin wehrt sich. Das Buch endet, indem Shirin und Faruk dem Onkel den Rücken zuwenden und weglaufen, denn Kinder, die allein sind, schieben sie nicht ab.

Maria Braig spricht in den Roman über wichtige Themen und erläutert sie. Sie spricht über die Diskriminierung der Frau in Afghanisten, aus der Perspektive eines Mädchens, das die Freiheit nur genießen kann, indem sie sich als Junge verkleidet, damit sie die Möglichkeit hat, Geld zu verdienen. Der Roman klärt über Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten auf.

„Frauen sind zum Kinderkriegen da, Jungen für den Spaß“- Dieser Satz hat zentrale Bedeutung in dem Roman. In Afghanistan dürfen Frauen ohne Begleitung eines Mannes, egal welchen Alters, nicht aus dem Haus gehen. Sie dürfen Männern nicht in die Augen sehen und nicht laut sprechen. Herabwürdigungen werden im Buch dargestellt. Es kommen Themen auf, von denen ich persönlich und bestimmt auch viele Andere nichts gewusst haben. So zum Beispiel die Bacha Bazi. Das sind Jungen, die meist entführt und als Sklaven weiterverkauft werden zur sexuellen Befriedigung. Auf diese Versklavung wird aufmerksam gemacht. Dass Maria Braig darüber in ihrem Roman spricht, ist ein äußerst positiver Aspekt. Gut ist es auch, dass die Autorin, durch Shirins Mut sich zu wehren zeigt, dass man nicht aufhören sollte zu kämpfen. Damit kann sie Menschen, die ebenfalls mit Problemen zu kämpfen haben, den Mut geben nicht aufzugeben.

Das Buch ist auf einen sehr einfachen Sprachniveau gehalten und ist dadurch leicht und schnell verstehbar. Dies macht das Buch teils weniger ansprechemd, da es möglicherweise nicht der Altersgruppe, die das Buch liest, entspricht. Es wirkt unglaubwürdig und bringt einem fast zum schmunzeln, ebenso der Humor. Trotzdem verstehe ich, dass die Autorin versucht hat, Shirins Sprachniveau zu imitieren, obwohl die Geschichte nicht von Shirin selbst erzählt wird. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass man lange braucht, um das Buch zu lesen, weil die Handlung langwierig beschrieben ist. Es dauert lange, bis es zu einer wenigstens etwas spannenden Aktion kommt. Themen und offene Fragen werden lange behandelt, so dass jeder wirklich alles versteht. Doch leider manchmal zu ausführlich; Fragen, die schon geklärt wurden oder deren Antworten offensichtlich sind, werden immer wieder aufgegriffen, ohne inhaltlich Fortschritte. Auch dieser Faktor macht es etwas zäh zu lesen.

Meine Meinung über das Buch ist gespalten. Einerseits würde ich das Buch nicht nochmal lesen und auch nicht als eines der spannendsten Bücher bezeichnen. Aber es greift wichtige Themen auf. Themen wie Menschenrechtsverletzung und Themen, über die aufgeklärt werden sollte. Über Probleme, wie die Diskriminierung der Frau, oder die der Bacha Bazi-„Kultur“ muss gesprochen werden. Und dies kann Maria Braig durch das Schreiben dieser Bücher erreichen. Ich kann dieses Buch jedem, der sich über diese Probleme informieren will, empfehlen.

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"Ich versuche, beim Schreiben das aufs Papier zu bringen, was mich auch sonst bewegt - und ein klein wenig dazu beizutragen, die Verhältnisse zum Besseren zu verändern. Ob das gelingt bleibt offen, ist aber auf jeden Fall einen Versuch wert." (vgl. Autorenwelt.de, 24.11.19)

So beschreibt die Autorin Maria Braig ihr Tun selbst.

1957 in Isny geboren, besuchte sie (mit unserer Frau Hörmann als Klassenkameradin) unser Gymnasium Isny. Heute lebt sie in Osnabrück und schreibt Kinder- und Jungendromane. Vor allem gesellschaftskritische Themen stehen in ihren Werken im Zentrum.

Die Schülerzeitung hat netterweise drei ihrer Romane zur Verfügung gestellt bekommen und hat diese nun rezensiert.

Rezension: Maria Braig - Das heimliche Mädchen und der Dancing Boy (von Leonie Damer, 10b)

Rezension: Maria Braig - Nennen wir sie Eugenie (von Antonia Seitz, 10a)

Rezension: Maria Braig - Amra und Amir – Abschiebung in eine unbekannte Heimat (von Amelie Kresser, 10b)

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Endlich in der 12. Klasse angekommen, endlich kommt langsam das Abitur und ein Ende der Schulzeit ist auch in Sicht. Aus diesem Grund durften wir, der diesjährige Abiturjahrgang, im Oktober als Abschlussfahrt nach Berlin fahren. Durch Erzählungen über diese Fahrt von Schülern der letzten Jahre, waren unsere Erwartungen relativ hoch. Als wir das Programm für die Woche dann bekamen, sah es für uns allerdings sehr geschichts- und politikorientiert aus, was nicht unbedingt negativ sein soll, wodurch wir uns aber fragten, inwiefern wir eine andere Seite Berlins zu Gesicht bekommen würden.

Neben dem Pflichtprogramm, welches unter anderem einen Besuch im Bundestag, eine Führung durch das Kanzleramt und für einige auch ein Besuch im Bundesrat und der russischen Botschaft einschloss, hatten wir Schüler in unserer freien Zeit aber auch noch andere Möglichkeiten uns zu beschäftigen. Und wenn man schon mal in Berlin ist, sollte man die Vielfältigkeit dort nicht verpassen, dachten wir uns. So planten wir, teilweise schon im Voraus, teilweise aber auch spontan, ein vielfältiges und kontrastreiches Programm. Egal ob Musical oder Museum, wir waren jeden Abend überwältigt von der Bandbreite an Angeboten und den Erlebnissen, die wir über den Tag gesammelt hatten. Auch das Pflichtprogramm hat unsere Erwartungen in den meisten Fällen sogar noch übertroffen. Hier haben wir einige unserer Erlebnisse dargestellt, die man in Berlin nicht verpassen darf. (Salesia, 12b)