Die erste Woche ist vorbei – größtenteils abgeschottet von der Außenwelt. Aber wie haben sich meine Ängste bis jetzt verwirklicht? Was hat sich bis jetzt getan?

Naja, es gibt Vieles über das man jetzt reden könnte, über das Alleinsein an sich, über die sich immer weiter verschärfende Situation, mit der ich vor zwei Wochen, nichtsahnend von den Ausmaßen des Virus, niemals gerechnet hätte. Wenn ich zurück denke an die zwei vergangenen Wochen, könnte ich mir aber keinen größeren Unterschied vorstellen.

Zum Teil haben sich meine Ängste gelegt, zum Teil sind sie aber immer noch da. Es gibt Klarheit, inwiefern ich meinen Lernplan umsetzen kann, trotzdem besteht aber immer noch Unsicherheit. Wie geht es in den nächsten Wochen weiter? Bleibe ich auch noch genau so gelassen, wie ich es jetzt bin?

Ich muss zugeben, die ersten Tage habe ich mir viele Freiräume genommen, um mich am besten auf die kommenden Wochen vorzubereiten, zu versuchen, möglichst viele Dinge zu finden, die mir einen gewissen Ausgleich zu dem ganzen „Schulzeug“ verschaffen. Bis jetzt hatte ich das ja immer in einer Form von zum Beispiel Sport oder Musik. Mir ist aufgefallen, es ist relativ gut umsetzbar, wenn man sich die nötige Zeit wirklich nimmt. Immerhin ist ein Ausgleich und das Abschalten mindestens so wichtig, wie das konzentrierte Arbeiten für die Schule.

Die Verschiebung der Abi-Prüfungen, die am Freitag bekannt gegeben wurde, war für mich selbst tatsächlich kein wirklich großer Rückschlag, wie sie es vielleicht noch vor einer Woche gewesen wäre -  Vielleicht einfach aus dem Grund, weil es mittlerweile vorhersehbar war und ich mir eine Woche, in der sich noch mehr ändern könnte, als die vorige, nicht mehr hätte vorstellen können.

Natürlich hätte ich mir gewünscht, die Prüfungen so schnell wie möglich hinter mich zu bringen, allein wegen des Lernaufwands. Trotzdem bin ich froh darüber, dass es jetzt schon feststeht – zumindest bis jetzt. Sicher kann man sich ja gerade bei nichts sein.

Gegen das Alleinsein kann man in der Tat nicht viel machen, das muss man wohl oder übel einfach so hinnehmen. Bis jetzt muss ich sagen, klappt auch das erstaunlich gut. Natürlich wäre es viel schöner, zusammen mit Freunden in der Schule zu sitzen. Über Videoanrufe aber kann man doch auch ganz gut seine Kontakte aufrechterhalten, wenn auch nicht so intensiv, wie wenn man sich trifft.

Im Gegensatz zu meinen Gedanken vor einer Woche habe ich das Gefühl, es klingt jetzt alles so positiv. Natürlich ist die Situation alles andere als schön, allein aus dem Grund, dass die Zahl der Corona-Toten immer weiter steigt. Aber ich versuche für mich selbst das Beste draus zu machen. Es gibt Menschen, die gerade aufgrund des Virus in einer weitaus schlechteren Situation sind, bei denen es um ihre Existenz geht. Da haben wir mit der Überlegung, ob uns die Decke auf den Kopf fällt, wohl noch ein relativ kleines Problem.

Ich werde selbst in den nächsten Wochen sicher noch das Gefühl haben, dass mir alles zu langweilig und zu eintönig oder auch zu eng wird und das ist bestimmt auch nachvollziehbar. Trotzdem sollten wir alle überlegen, für was wir das alles durchstehen. Ob wir uns in diesem Moment wirklich mit Freunden treffen müssen (abgesehen davon, dass es sowieso verboten ist), ob wir wirklich einkaufen gehen müssen oder ob wir einfach den Egoismus an uns vorbei ziehen lassen und aus jedem Tag das bestmögliche rausholen...

Die erste Woche der „Corona-Ferien“ ist nun vorbei. Ich habe mich gefragt, ob ich mich daran gewöhnen kann, so zu leben. Ich kann aufstehen, wann ich will. Bei unseren Mathe-Videokonferenzen kann ich zehn Minuten früher aufstehen und während dieser noch frühstücken. Natürlich hört sich das im ersten Moment eigentlich nach dem Traum eines jeden Schülers an. Aber um ehrlich zu sein, mir fehlt so einiges. Ein geregelter Tagesablauf, meine Freunde, mit denen ich Quatsch machen kann, mit denen ich mich aber auch über die Aufgaben austauschen kann, ja sogar die Lehrer, die mir die Aufgaben im nu erklärt hätten, würde ich vor ihnen sitzen. So hat alles seine Vor- und Nachteile – wobei, hier eigentlich mehr Nachteile.

An Tag 1 habe ich das Realitätsgefühl in Frage gestellt und ich muss sagen, wirklich viel mehr in der Realität fühle ich mich noch immer nicht. Surreal ist wohl der bessere Begriff.

Das Wetter wird schlechter, heißt: noch weniger Beschäftigungsmöglichkeiten. Und da bin ich kurz in meinen Gedanken versunken. Für wen ist denn die derzeitige Situation wirklich am schlimmsten? Ist sie es für mich, weil ich daheim sitze und nichts tun kann, außer nichts zu tun. Nein! Sind nicht eigentlich diejenigen, die sich jetzt in Supermärkten mit „hamsterkaufwütigen“ Kunden herumärgern müssen, diejenigen, die zum dritten Mal in der letzten Stunde das Klopapier auffüllen mussten, die, die sich einen lauten Applaus verdient haben? Und sind es nicht eigentlich die Ärzte und Krankenpfleger, die teilweise noch eine Schicht und noch einen Nachtdienst hinten hinhängen, um allen die bestmögliche Versorgung zu geben. Sind es nicht genau die Leute, vor denen wir den Hut ziehen sollten? Alle auf die Balkone und einmal ganz laut klatschen!

Genau in solchen Situationen wie jetzt sollten wir alle ein großes „Wir-Gefühl“ entwickeln, keiner von uns ist alleine in der Situation. Wir alle können unser Leid teilen und gleichzeitig in Gedanken bei denjenigen sein, die zurzeit ihr Bestes geben und helfen, wo und wie sie nur können.

Es wird immer ernster. Bayern hat ab morgen die Ausgangsperre. Auch wenn ich selber in Baden-Württemberg lebe, wird es mich früher oder später auch bald treffen. Vielleicht schätzt man da den einen oder anderen Spaziergang (selbstverständlich allein) mehr. Auffallend ist, welches Glück ich doch habe so privilegiert zu sein, dass mein größtes Problem nicht raus zu gehen und Toilettenpapiermangel zu seien scheint. Meine Gedanken wandern oft zu denen, die noch extremeren, gefährlicheren und schrecklicheren Situationen ausgesetzt sind. Trotzdem bin ich der Meinung, dass man nicht alles relativieren sollte. Nur weil es anderen schlechter geht, heißt es nicht, dass man nicht selbst eine Zeit als schwer empfinden darf. Aber andererseits hilft einem der Blick nach außen dabei, das Gute und Wichtige zu sehen. Ich fange an zu schätzen, was ich habe. Freunde, Schule, Natur, ja sogar die Lehrer. Verdammt, wenn nicht die ganze Außenwelt.

Mein Motto ist ja: „Immer das Positive aus allem ziehen!“, so also auch in der derzeitigen Situation. So viel Zeit wie gerade, hatte ich, und wahrscheinlich auch die meisten von euch, seit Ewigkeiten nicht mehr. Wir haben die Möglichkeit, unseren Tag komplett nach uns selbst auszurichten. Möchte ich meine Schularbeiten auf dem Balkon machen? Also los geht’s!  Ich kann meinen Hobbys so viel Zeit wie noch nie schenken. Neue Hobbys entdecken oder bisher noch nie getestete Sportarten, wie Yoga, einfach über Youtube kennenlernen.

Natürlich ist die derzeitige Situation alles andere als positiv, aber alles, was wir tun können, ist nun mal, daheim zu bleiben. Also warum nicht das Beste daraus machen und neue Seiten an uns entdecken?

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